Schauspieler über Schauspiel

SCHAUSPIELER WALTON GOGGINS ÜBER SEINEN DURCHBRUCH IN HOLLYWOOD UND WIE COWBOYSTIEFEL SEIN LEBEN VERÄNDERTEN

21st August 2016
Ein Interview mit dem amerikanischen Schauspieler Walton Goggins über seine Schauspielkarriere in Hollywood und wie Cowboystiefel ihm zu seiner ersten richtigen Rolle verhalfen

Der amerikanische Schauspieler Walton Goggins ist stolz darauf, mittlerweile auf regelmäßiger Basis Schlüsselrollen in Film und Fernsehen zu übernehmen. Nach vielen Jahren als Nebendarsteller und kurzen Rollen ist er erleichtert, endlich einen Platz am „Hollywood Tisch“ ergattert zu haben und nicht mehr hart darum kämpfen zu müssen, anerkannt zu werden.

Goggins zählt mehrere einschlägige Ereignisse, die seine Schauspielkarriere beeinflusst haben. Dazu gehört seine Rolle als Boyd Crowder in der Fernsehserie Justified (2010-2015). Er sagt, „Ich bin stolz auf ‚Boyd‘ weil mir diese Rolle erlaubt hat, Stadtmenschen darüber aufzuklären, mit welchen Schwierigkeiten die Bewohner von ländlichen Gegenden von Amerika zu kämpfen haben.“

Positiv gezeichnet haben Walton Goggins auch die plötzlichen Momente, in denen man realisiert wie weit man es in der Karriere gebracht hat. „Zum Beispiel als wir für Django Unchained (2012) auf der Comic-Con 2012 in San Diego waren“, erzählt Goggins, „und plötzlich begreife ich, dass ich mit Schauspielgrößen wie Jamie Foxx, Christoph Waltz und Samuel L. Jackson am Tisch sitze. Da dachte ich nur „‚Wie zur Hölle bin ich hier gelandet? Was passiert hier gerade?“ Ein weiterer besonderer Moment war als ich Shang-High Noon (2000) mit Owen Wilson drehen durfte. Eine Zeit lang war nämlich der Film Durchgeknallt (Bottle Rocket, 1996) einer meiner Lieblingsfilme und Wilson spielt darin mit. Direkt nach dem ich den Film das erste Mal gesehen habe, wollte ich einfach nur noch mit diesem Typen zusammenarbeiten. Und jetzt habe ich das.“

Walton Goggins hat es laut eigener Aussage seiner Vergangenheit als Einzelkind zu verdanken, dass er heute ein guter Zuhörer ist – obwohl er es nicht mag zuzuhören, wenn sich andere Schauspieler über Schauspiel unterhalten. Goggins sagt, „Ich habe mich sogar mal geweigert, in einem Restaurant zu arbeiten. Nichts gegen Kellner oder Kellnerinnen, aber ich konnte es einfach nicht. Ich wollte nicht dieser Schauspieler in L.A. sein, der sich mit anderen Schauspielern über Schauspiel unterhält. Normalerweise laufe ich vor solchen Situationen weg. Ich hänge auch in den Drehpausen nicht mit anderen Schauspielern zusammen. Ich bin ein Einzelkind, da bin ich es gewohnt mich irgendwo abseits in einer Ecke aufzuhalten.“

Obwohl einige Schauspieler eine Ewigkeit auf ihren Durchbruch warten, ergatterte Goggins sein erstes Schauspielengagement schon eine Woche nach dem er nach Los Angeles gezogen war. Danach wurde es aber wieder schwerer. „Die erste kleine Rolle hatte ich tatsächlich schon nach kurzer Zeit. Es war in Der letzte Komödiant (Mr. Saturday Night, 1992) mit Billy Crystal. Ich war das nervöse Kind in einer der Rückblenden. Die Szene hat es am Ende nicht in den Film geschafft, aber dafür in die DVD! Das war echt ein großes Ding für mich. Vor ungefähr drei Jahren bin ich Billy Crystal sogar über den Weg gelaufen. Ich wollte eigentlich nichts sagen, aber dann sah er mich und sagte ‚Du bist ja gar nicht mehr so nervös!‘

Nach dieser ersten Rolle hieß es für den jungen Goggins sich wieder mit anderen Jobs über Wasser zu halten. Zum Beispiel als Parkwächter. „Ich habe viel nachts gearbeitet. Ich führte ein Valet-Parkservice mit sechs Restaurants und drei Parkgaragen als Kunden. Cowboy Stiefel habe ich auch mal verkauft. Zur selben Zeit bekam ich eine Rolle in Karate Kid IV – Die nächste Generation (The Next Karate Kid, 1994) mit Hilary Swank. Ich war verdammte 21 Jahre alt und für die Rolle des „Bösen“ standen nur noch ich und ein Typ namens Michael Cavaliers zur Auswahl. Ich war als Erstes mit dem Vorsprechen dran und dachte ich hätte es total gerockt. Mein einziger Gedanke war: ‚Wow, mein Leben ist kurz davor sich zu verändern, ich bin der Böse aus Karate Kid! Alle werden mich kennen. Das ist echte Arbeit!‘ Und dann bekam der andere Typ die Rolle.“

Doch Goggins gab den Gedanken Karate Kid nicht auf. Er hielt stattdessen ehrgeizig an einer weiteren Möglichkeit fest – und schaffte es tatsächlich aus einer Niederlage einen Erfolg zu machen. Er erzählt, „Ich gehe also zu meinem Verkäuferjob zurück. Mitten bei der Arbeit denke ich plötzlich, ‚Weißt du was, Alter, scheiß drauf!‘ Ich nehme mein Telefon, rufe Warner Brothers an und lasse mich mit dem Büro von Jerry Weintraub verbinden. Der Regisseur Chris Cain geht ran und ich sage ihm: ‚Ich verstehe, warum ich die Rolle nicht bekommen habe. Aber die Rolle hat einen besten Freund. Ich rufe an weil ich fragen will, ob ich für diese Rolle vorsprechen darf. Ich will nur von Ihnen lernen.‘ Cain antwortet, ‚Bleib mal kurz dran. Jerry!‘ Dann kommt er zum Hörer zurück und sagt, ‚Okay, du hast den Job.‘

Und dann war ich vier Monate lang mit Hilary Swank in Boston und verdiente $21.000 – mehr Geld als meine Mutter in zwei verdammten Jahren. Von da an schaffte ich es immer kontinuierlicher Schauspielengagements zu bekommen, bis ich drei Jahre später die Rolle in Apostel! (The Apostle, 1997) bekam. Danach war ich in der Lage alle meine anderen Jobs zu kündigen.“

Quelle: Daily Actor (Webseite). Walton Soggins on Making It in Hollywood and His First Job as an Actor von Chris McKittrick. 29. Juli 2016. Beitragsbild: Walton Goggins by Mitchell Nguyen McCormack

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