Schauspieler Handbuch

DAS EINZIGE „NEIN“ WAS DICH ALS SCHAUSPIELER AUFHALTEN KANN KOMMT VON DIR SELBST

24th August 2016
Fernando Rey as Don Quijote
Lass die anderen „Nein“ sagen, aber sage niemals „Nein“ zu dir selbst. Wie du dich als Schauspieler motivieren kannst, wenn du daran denkst, die Schauspielerei aufzugeben.

„Sollte ich als Schauspieler lieber aufgeben?“ Von derartigen negativen Gedanken wurde sicherlich jeder von uns schon einmal beschlichen, egal in welcher Lebensphase oder Berufsgruppe. Besonders oft werden aber Schauspieler mit solchen Gedanken konfrontiert.

Gerade am Anfang der Schauspielkarriere wirkt es so, als würde man gegen Windmühlen kämpfen. Trotz fleißiger Arbeit fehlen oftmals Anerkennung und Erfolgserlebnisse. Zu viel ist noch von externen Faktoren abhängig, auf die man keinen Einfluss hat. Immer wieder gibt es Trockenphasen, in denen es kein passendes Vorsprechen oder Casting zu geben scheint. Oder die positiven Rückmeldungen bleiben aus. Deine verschiedenen Nebenjobs saugen dich aus und der Schauspielunterricht stagniert auch irgendwie gerade. Deine Freunde siehst du kaum noch und wenn du es doch schaffst dich aus dem Haus zu schleppen, bestellst du grundsätzlich das Günstigste auf der Karte. Auch wenn der Gedanke an eine Flasche Wein in dem Moment weitaus verlockender klingt, als die Miete zahlen zu können. Und dann wäre da noch die Familie, die einem mehr oder weniger freundlich einredet, doch bitte „etwas Vernünftiges“ mit seinem Leben anzustellen.

Diese Szenarien kenne ich nur allzu gut aus meiner Zeit in London. Knapp ein Jahr lang habe ich mich hier den Löwen zum Fraß vorgeworfen und den einen oder anderen Tiefpunkt erlebt. Doch immer wenn der Gedanke ans Aufgeben kam, hat mich eine innere Stimme unsanft angepöbelt und weiter voran getrieben.

„Diejenigen die es nicht geschafft haben sind die, die vorher aufgegeben haben.“

Oder anders: Man kommt nicht ans Ziel wenn man den Weg zum Ziel nicht geht.

Ist man aber gerade an so einem Tiefpunkt angelangt und spielt mit dem Gedanken alles über Bord zu werfen, nützen einem weise Worte herzlich wenig. Was mir in solchen Situationen geholfen hat, waren Fakten. So wende ich mich an motivierende Artikel auf Backstage oder lese Beiträge in unterstützenden Gruppen wie Actors for Actors auf Facebook.

In solch einer Gruppe von Schauspielern für Schauspieler wurde ein Beitrag geteilt, in dem ein Mitglied erzählte was ihm widerfuhr, als er kurz davor war seinen Traum aufzugeben. Die Resonanz seiner Vorsprechen war in dieser Zeit ausschließlich negativ und er war sehr entmutigt. Einen Tag nachdem er beschloss seine Selbständigkeit als Schauspieler an den Nagel zu hängen, bekam er einen Anruf von seinem Agenten. Ihm wurde eine Rolle in einem großen Film angeboten. Mindestens zehn Leute kommentierten den Beitrag mit einer ähnlichen Geschichte. Sie alle seien kurz davor gewesen aufzugeben, bevor sie seinen Beitrag lasen. Sie dankten ihm dafür, dass er sie daran erinnerte weiter zu machen.

Die junge Schauspielerin Morgan Fairchild besuchte über 200 Vorsprechen in New York und wurde von jedem einzelnen abgelehnt. Eines Tages bekam sie „plötzlich“ eine Rolle angeboten, die alles veränderte. Was wäre, wenn sie nach dem 199-sten Vorsprechen aufgegeben hätte? Wenn sie entmutigt worden und zu keinem Casting mehr gegangen wäre? Sie hätte sich zuhause verkrochen und das hätte eine definitive Ablehnung bedeutet. Dieses „Nein“ hätte Morgan sich mit dieser Entscheidung selbst gegeben. Da sie aber weiterhin an Vorsprechen teilnahm, erlaubte sie zwar jemand anderem „Nein“ zu sagen, sie sagte aber niemals „Nein“ zu sich selbst. Denn das ist das einzige „Nein“ das dich wirklich aufhalten kann.

Sei die Person die immer da ist und härter arbeitet als alle anderen. Das bringt dich zum Erfolg. Zieh dich öfter hoch, als du zu Boden geworfen wirst. Die anderen geben auf. Zieh dich einmal öfter hoch als sie. Weißt du, wie du die Rolle bekommst? Du gehst zu 200 Castings und die anderen nur zu 20. Wenn du kein Teilnahmelos kaufst, gewinnst du auch nicht in einer Verlosung. Vielleicht gewinnst du auch nicht, obwohl du ein Los kaufst. Aber jemand wird gewinnen. Und du erhöhst deine Chance mit jedem Los.

Außerdem ist es wichtig, sich wiederholt zu sagen, dass ein „Nein“ kein wirkliches „Nein“ ist. Es bedeutet nur „nein“ in diesem Augenblick. Es ist kein „nein“ für morgen. Vielleicht bist du schon beim nächsten Vorsprechen das Beste, was sie je gesehen haben.

Für uns alle ist es wichtig sich mit positiven Menschen und noch positiveren Gedanken zu umgeben, ob aufstrebender Schauspieler oder nicht. Achte darauf, dass du dir einen unterstützenden Rahmen aufbaust und schließe dich Gruppen an, die sich gegenseitig aufbauen und motivieren. Lese inspirierende Artikel und vergiss nicht, dass du nicht alleine im Kampf gegen die Windmühlen bist.

 

Beitragsbild: Fernando Rey in Don Quijote de la Mancha (1991)
Inspiration: Backstage (Website). Stop Saying No To Yourself by Cathryn Hartt

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