Acting Diaries

EURE FRAGEN ZUR SCHAUSPIELAUSBILDUNG VIA INSTAGRAM – TEIL 1

28th August 2017
Fragen zur Schauspielausbildung
Seit genau einem Jahr studiere ich nun Schauspiel am Schauspiel-Studio Frese in Hamburg. Am 17. August 2017 habe ich über Instagram aufgerufen, mir eure Fragen zur Schauspielausbildung oder generell zum Thema Schauspiel zu stellen.

Danke an alle, die sich beteiligt haben! Es sind so viele Nachrichten bei mir eingegangen, dass ich lange gebraucht habe, um sie alle zu sortieren. Für eine bessere Übersicht habe ich einige Fragen zur Schauspielausbildung auch zusammengelegt. Ihr werdet sehen, es gab viel zu schreiben! Um euch das Lesen zu erleichtern, habe ich meine Antworten in verschiedenen Beiträgen aufgeteilt.

Hier kommt nun Beitrag Nummer 1. Ich befasse mich mit den Fragen:

„Wie lange dauert eine Schauspielausbildung?“

und „Ist Erfolg auch ohne Schauspielausbildung möglich?“

Wie lange dauert eine Schauspielausbildung?

Je nach Ausbildungsstätte dauert das Studium zwischen drei und vier Jahre (also sechs bis acht Semester). Hierzu ist wohl folgende Erklärung fällig: Es gibt einmal staatliche Schauspielschulen (hier dauert das Studium in der Regel vier Jahre) und privatrechtliche Schauspielschulen (hier hat die Studienzeit eine Dauer von drei Jahren).

Der Unterschied zwischen den Ausbildungsstätten besteht darin, dass die staatlichen entweder Kunsthochschulen oder Fachakademien sind und öffentlich gefördert werden (hier muss man keine Studiengebühren zahlen). Die privaten Schulen sind meist Berufsfachschulen bzw. Fachakademien die staatlich anerkannt sind aber eine private Trägerschaft haben (hier zahlst du die Studiengebühren selbst).

Bei meiner Schule handelt es sich um die zweite Variante. Meine Ausbildung dauert also drei Jahre und ich trage die Studiengebühren selbst. Für weitere Infos zu diesem Thema kann ich diesen Artikel von Wikipedia empfehlen.

Wie kommt es, dass nicht alle Schauspieler zuvor eine Schauspielausbildung in diesem Bereich abgeschlossen haben und trotzdem erfolgreich sind? Ist das heute noch möglich?

Es gibt tatsächlich einige sehr bekannte Schauspieler, die keine vollständige Schauspielausbildung genossen haben, wie wir sie heute kennen. Die meisten von ihnen haben, neben ihrem Talent natürlich, aber eine auffallende Gemeinsamkeit: Sie wurden um die 60er und 70er Jahre herum geboren. Die berufliche Landschaft für Schauspieler war vor 50 Jahren eine ganz andere als heute. Es gab weniger Wettbewerb. Ohne den Überfluss an sozialen Medien war die Welt noch etwas „kleiner“. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort, die richtigen Kontakte – es war einfacher aus der Masse herauszustechen. Engagements bei Werbespots oder als Nebendarsteller reichten oftmals um den Ball als Quereinsteiger ins Rollen zu bringen. Wenn man diese Chance bekam und sich bewährte, sprach nichts dagegen auch ohne ein Studium eine erfolgreiche Karriere als Schauspieler zu starten.

Ich habe fünf interessante Beispiele aus dem Artikel „10 Famous Actors Who Never Took an Acting Course“  (zu Deutsch: „10 bekannte Schauspieler die nie einen Schauspielkurs besucht haben“) herausgesucht an denen ich euch diese Merkmale aufzeigen kann.

Meg Ryan: Geboren 1961. Mutter war Schauspiellehrerin und verschaffte ihr Auftritte in Fernsehwerbungen. Kleinere Rollen in Film und TV folgten.

Johnny Depp: Geboren 1963. Mit 21 Jahren verhalf ihm sein Freund und Schauspieler Nicolas Cage zu einem Vorsprechen. Von da an folgten weitere Nebenrollen in Filmen.

Brad Pitt: Geboren 1963. Lernte über seinen Nebenjob (witziger Fakt: er war Chauffeur für Stripperinnen) Roy London kennen (damals einer der renommiertesten Schauspiellehrer in Los Angeles). Erste Werbespots und kleinere Rollen folgten.

Joaquin Phoenix: Geboren 1974. Nahm als Kind an Talentshows teil und wurde von einer Agentin entdeckt. Werbespots und kleinere Filmrollen folgten.

Christian Bale: Geboren 1974. Kontakte zur Filmbranche über den Großvater. Erste Werbespots mit 9 Jahren. Weitere Nebenrollen folgten.

Wir sehen Gemeinsamkeiten in der Zeit zu der sie zur Welt kamen, den Beziehungen und Kontakten zum Filmbusiness und der Tatsache, dass die meisten bereits als Kind in die Branche eingegliedert wurden.

Die Frage ist, ob so ein Karriereeinstieg in dieser Form auch heute noch möglich wäre.

Wenn man jung anfängt, idealerweise als Kind, und einflussreiche Beziehungen mitbringt – vielleicht. Ein schauspielerisches Talent setze ich bei jeder dieser Spekulationen natürlich voraus. Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass es heute schwerer ist als früher. Ein Stück weit liegt das wohl am Wandel der digitalen Medien, denn soziale Netzwerke machen es möglich einen Casting-Aufruf nun auch online durchzuführen. In nur wenigen Sekunden können Nutzer weltweit auf die Informationen zugreifen und sich bewerben. Das hat natürlich viele Vorteile. Die Caster können ganz bequem vom Computer aus Bewerbungen aus aller Welt durchgehen. So entdecken sie vielleicht auch Schauspieler, die sie sonst nie zu Gesicht bekommen hätten. Der Nachteil ist, dass die Anzahl der Konkurrenten ins Unermessliche steigt. Wenn es also darum geht, um jeden Preis im Rennen zu bleiben, dann erscheint eine staatlich anerkannte Schauspielausbildung doch ein unverzichtbares Merkmal im Lebenslauf zu sein.

Die Konkurrenz wächst allerdings nicht nur in Kreisen der ausgebildeten Schauspieler durch ihre Onlinepräsenz. Eine weitere Veränderung die den digitalen Medien zuzuschreiben ist, ist die Welle an Konkurrenz die plötzlich von Seiten berühmter YouTube-Stars, Instagram-Persönlichkeiten oder Fashion-Models kommt. Und das ganz ohne Ausbildung. Wie ist das möglich? Sie haben die Follower-Zahlen und den Bekanntheitsgrad. Hier und da schleichen sich solche Persönlichkeiten immer wieder in die Filmwelt ein und ergattern kleine Nebenrollen. Im Fall von Cara Delevingne sogar weitaus mehr als das. Es scheint also auch heute noch ohne Ausbildung klappen zu können – auch wenn auf ganz anderem Weg als vor 50 Jahren und vielleicht nicht immer im besten Sinne der Kunst.

 

Im nächsten Beitrag:

Was sind die Vorteile einer Schauspielausbildung?
Inwiefern erhöht eine Schauspielausbildung die Chancen als Schauspieler erfolgreich zu werden?

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7 Comments

  • Reply Melissa 29th August 2017 at 12:05 pm

    Der Beitrag ist toll geschrieben liebes.
    Das wusste ich noch gar nicht, dass zum Beispiel Brad Pitt keine Schauspielausbildung hat. Finde ich toll, dass du das machst 😊👍🏼

    • Reply Sarah Casado Thomas 18th September 2017 at 4:24 pm

      Danke dir du Liebe! 🙂 Ja, ich finde es auch immer wieder voll interessant solche „unbekannte Fakten“ oder Anekdoten über berühmte Schauspieler rauszukramen!

  • Reply Anna 30th August 2017 at 7:21 pm

    Ein richtig interessanter Blogpost. Schön, dass du die ganzen Fragen so offen beantwortest. Ich finde die Schauspielerei ist ja doch ein sehr besonderes Berufsfeld, über das die meisten wohl eher weniger wissen. Liebe Grüße

    • Reply Sarah Casado Thomas 18th September 2017 at 4:23 pm

      Danke dir! 🙂 Aus diesem Grund macht es mir auch so viel Spaß, für ein wenig „Aufklärung“ zu sorgen 🙂

  • Reply Eure Fragen via Instagram: Vorteile einer SchauspielausbildungActing Diaries 21st Oktober 2017 at 2:34 am

    […] Wie bereits berichtet, habe ich über Instagram aufgerufen, mir eure Fragen zum Thema Schauspielausbildung zu stellen. Heute kommt Teil 2 der Reihe „Eure Fragen zur Schauspielausbildung via Instagram“. Du hast den ersten Teil verpasst? Schau mal hier. […]

  • Reply Unterrichtsfächer meiner Schauspielausbildung am Schauspielstudio FreseActing Diaries 21st Oktober 2017 at 2:35 am

    […] Das wars zum Thema Unterrichtsfächer meiner Schauspielausbildung! Vor Kurzem habe ich via Instagram aufgerufen, mir jegliche Fragen zu meiner Schauspielausbildung oder generell zum Thema Schauspiel zu stellen. Finde heraus was dabei für interessante Fragen und Antworten entstanden sind! […]

  • Reply Eure Fragen zur Schauspielausbildung via Instagram - Teil 3Acting Diaries 21st Oktober 2017 at 2:35 am

    […] ersten Teil der Reihe „Eure Fragen zur Schauspielausbildung via Instagram“ findest du hier und den zweiten Teil kannst du hier […]

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